Te Araroa Diaries Teil 3

Die letzten Etappen des Queen Charlotte Tracks.

8 Uhr. Augen aufschlagen. Umgucken. Wo bin ich ? Achja da war ja was, wir sind ja Wandern. Nachts hat es geregnet. Ziemlich viel geregnet sogar. Ich wage einen Blick nach draußen. Blauer Himmel! Check! Jetzt muss nur noch die Sonne über die Hügel kommen, dann trocknet unser Zelt auch noch. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, seit das Gewitter gestern über uns hinweg gezogen ist. Draußen im shelter ist die fünfköpfige Familie schon am herumwuseln und packen. Also dann… Ich pelle mich aus meinem Schlafsack, wecke Micha und krabbele aus dem Zelt. Mein Magen knurrt! Drei mal dürft ihr raten was es zum Frühstück gibt? Richtig. Porridge. Inzwischen schmeckt der auch gar nicht mehr so schlecht. Das Geheimnis dahinter ist: fehlender Geschmack wird durch eine Extradosis an getrockneten Früchten und Milchpulver wettgemacht. Seit dieser Erkenntnis schmeckt der Porridge also nicht mehr nur nach Wasser. Wahnsinn was einen so glücklich machen kann während des Trails. 😀

Einen Nachteil hat das ganze aber: das Essen für den Trail ist abgezählt, für Frühstück, Mittagssnack und Abendessen können wir nur nutzen, was wir im Vorhinein eingeplant haben. Und das ist auch gut so, denn wie wir nun schon schmerzlich feststellen durften zählt jedes Gram im Rucksack. Schade nur, dass mir dadurch für einen Tag der Mittagssnack fehlt, seit täglich eine Hand getrocknete Früchte im morgendlichen Porridge verschwinden.

Dann geht es los. Der Plan für heute: Wandern. Wandern. Wandern. Und es ist schon wieder kochend heiß, sodass der Schweiß schon nach wenigen Schritten an uns herunterläuft. Ich freue mich, dass wir heute keine harte Strecke vor uns haben, zumindest laut dem Streckenprofil. Mit kommt es irgendwie trotzdem so vor, als ob es mal wieder nur bergauf gehen würde.

Ziemlich bald erwische ich mich wieder dabei, wie ich im Abstand weniger Minuten auf meine Uhr schaue. Unglaublich wie lang sich 10 Minuten ziehen können. Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, nur noch dann nach der Uhrzeit zu schauen, wenn auch ein signifikanter Unterschied zu erwarten ist. Das hat sich aber ziemlich schnell als echte Herausforderung für mich dargestellt. Während mein Kopf mir immer wieder sagt „Aber jetzt sind bestimmt schon zwanzig Minuten um“, ist die Uhr nämlich ganz anderer Meinung. Innerlich stöhnend und jammernd nehme ich also die Meinung der Uhr als die Wahrheit an und freue mich über die vergangenen fünf Minuten…

Das Grinsen lässt sich aber trotz alle dem nicht aus unseren verschwitzen Gesichtern wischen, und eigentlich weiß ich gar nicht warum das so ist. Dann hat Micha mich auch noch gefragt, was ich antworten würde, wenn mich jemand fragt, wieso wir den Te Araroa laufen.

Eine gute Frage!

Das wir darauf keine Antwort wussten, die nicht nur den Fragenden zu einem Nicken bringen würde, sondern auch uns zufrieden stellt, schockiert uns etwas. Also haben wir angefangen, Antworten zusammenzutragen.

1. Wir wandern gerne.

2. Wir lieben Neuseeland, das Backcountry und dessen Schönheit.

3. Wir freuen uns über kleine Abenteuer, wie dieses.

4. Unser letzter Neuseelandbesuch hat uns von vielen Seiten inspiriert diesen Weg zu laufen. Besonders das Buch von Mark Watson „Te Araroa“ können wir euch empfehlen. Es ist wahrscheinlich einer der Hauptgründe warum wir jetzt gerade den Queen Charlotte Track entlangspazieren. Mark Watson ist nämlich Fotograph und für dieses Buch den vollständigen Trail gelaufen. Glaubt uns bessere Bilder von Neuseelands Schönheit sind schwer zu finden.

5. Neuseelands „backcountryhuts“. Es gibt keine einfachere Möglichkeit dieses einzigartige Hüttennetzwerk zu erkunden, als auf dem Trail. Bei unserem letzen Neuseelandbesuch haben wir nur in einer einzigen Hütte geschlafen, trotz dessen waren wir oft wandern. Das Auto kommt einem ja auch nicht hinterhergefahren, und den gleichen Weg hin und zurück zu laufen fanden wir damals auch nicht so reizend. Doch all diese wundervollen Hütten zu verpassen, wäre ja auch keine Option gewesen, auch deshalb sind wir hier!

Also, ihr seht, ein paar Punkte haben wir am Ende doch noch zusammengesammelt. Vollständig zufrieden, sind wir mit den Antworten zwar trotzdem noch nicht, aber es ist wenigstens der Anfang für ein besseres Verständnis unsererseits.

Wir melden uns, wenn wir herausgefunden haben, warum wir uns so freudig lächelnd mit diesem Trail quälen. 😀

Und zumindest ging damit die Zeit auch schneller rum als gedacht. Wir haben eine weitere Campsite hinter uns gelassen, und eine kurze Snackpause eingelegt. Natürlich habe ich aber trotzdem noch Hunger, oder zumindest Lust auf weiteres Essen. So richtig kann man das momentan nämlich nicht trennen.

Jetzt geht es nur noch bergab, bergab, bergab. Es tut so gut, die Beine einfach mal laufen zu lassen. Und meine Waden danken es mir auch. Die brennen nämlich schon seit Tag 1. Nur die Tatsache, dass wir uns morgen all die Höhe wieder mühsam zurück erkämpfen müssen bereitet uns etwas Sorgen.

Dafür werden wir aber belohnt, denn unser Campingplatz liegt an einer wunderschönen Bucht mit klarem, türkisfarbenem Wasser. Schon wieder, kaum zu glauben! Nur eines ist hier schlimmer als zuvor: die Wekas. Mit einer mühelosen Dreistigkeit springen sie auf Tische, kriechen in die Zelte und picken um unsere Füße herum auf der Suche nach Futter, oder Dingen die danach riechen. Der meist gejagte Gegenstand ist nämlich unser Müll! Deshalb hängt unser Müllbeutel inzwischen ziemlich weit oben im Baum, unmöglich zu erreichen für den flugunfähigen Vogel. Tja, Pech gehabt Weka!

Außerdem geht es Micha seit wir angekommen sind nicht besonders gut. Sein Bauch klingt als ob gerade ein Hexensüppchen in ihm gebraut würde. Während er Richtung Klo läuft und für eine lange Zeit verschwunden bleibt, erinnern wir uns an die Rangerin in der Camp Bay, welche uns dafür auslachte, als wir unser Wasser filtern. Naja, damit hätten wir dann also unsere Erfahrung gemacht! Mein Wasser wird ab nun immer gefiltert sein.

Später am Abend kommt die neuseeländische Frau, welche ihre erste Nacht auch in der Schoolhouse Bay verbrachte. Sie sieht ziemlich erschöpft aus, und berichtet trotzdem noch lächelnd über schlimme Blasen an ihren Füßen. „Kann ja gar nicht so schlimm sein“, denken wir uns während wir den eben aufgebrühten Uncle Bens Reis in uns reinfuttern. Was ein Trugschluss war… Ihre Füße hatten nämlich keine Blasen, nein, die Füße waren quasi nur noch zwei gigantische Blasen! So etwas hatte sich keiner von uns vorgestellt. Leider bedeutete das für die Frau das Ende der Wanderung. Den ganzen Abend war sie trotz alle dem noch gut drauf. Und die neuseeländische Hilfsbereitschaft verschaffte ihr am gleichen Abend noch eine Art Ersatzurlaub in Anakiwa. Sie wurde nämlich von einer anderen Wanderin, welche zufällig mitbekommen hatte was passiert war, nach Hause eingeladen.

Ihr Zelt musste die Frau übrigens auch nicht aufbauen, das hat die liebe fünfköpfige Familie übernommen, der wir den ganzen Tag immer wieder begegnet sind.

Ist es das vielleicht, was viele Wanderer als Trailmagie bezeichnen?

Wie auch immer… jedenfalls schön sowas mitzuerleben!

Der nächste Morgen…

Was für eine grauenvolle Nacht. Das Zelt stand auf ungeradem Boden, sodass Micha und ich mehr neben, als auf unseren Isomatten gelegen haben. Außerdem ist es einfach viel zu früh. 6 Uhr um genau zu sein. Was hat das denn bitte mit Urlaub zu tun? Micha geht es kaum besser als gestern, und schon jetzt ist es fast zu heiß. „Na toll“, denke ich mir so, das können dann ja spaßige 20 km werden.

Schnell packen wir alles zusammen, schieben uns ein paar Löffel Porridge in den Mund und los geht es. Bloß schnell hoch auf den Berg, bevor es unerträglich heiß wird. Zerknirscht und verschlafen stapfen wie los, und exakte vier Minuten nach unserem Aufbruch schiebt sich die Sonne über die umliegenden Hügel und verbreitet eine unerträgliche Hitze. Wow, das frühe Aufstehen hat sich somit ja wohl gelohnt. Naja zumindest können wir dann einen kompletten Nachmittag an der nächsten Bucht verbringen, also, wenn wir dann irgendwann angekommen sind. Bis jetzt ist nämlich mal wieder kein Ende in Sicht. Der Anstieg zieht sich wie ein ausgelutschtes Kaugummi, und hinter jeder weiteren Kurve denken wir: „Jetzt müssen wir aber wirklich ganz oben sein“, sind wir aber nicht. Irgendwann dann aber schon, wäre sonst ja auch seltsam, nämlich, als wir in die fünf bekannten Gesichter der Familie schauen, die gerade die Reste ihres Frühstückes verzehren. Apropos Essen, ich habe auch schon wieder Hunger. Wohl ein Dauerzustand wenn man den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich und sein sowieso viel zu schweres Gepäck die Berge hoch und runter zuschleppen.

Deshalb hat die nächste Snackpause auch nicht lange auf sich warten lassen. Ein bisschen aber schon. Erstmal sind wir nämlich den soeben mühsam erklommenen Berg ratzi-fatzi wieder runtergesaust, um dann den nächsten genauso mühsam wieder zu erklimmen. „Wieso diese doofen Wege auch nicht einfach mal geradeaus verlaufen können“, beschweren wir uns. Aber irgendwie wäre das dann ja auch langweilig. 😀

Zum Mittag gibt es heute „honey peanuts“, super lecker, nur nicht sonderlich abwechslungsreich, denn es ist der Rest von gestern. Gestärkt und motiviert geht es dann weiter, die harten Strecken haben wir für heute überlebt. Anakiwa, das Zielörtchen des Queen Charlotte Tracks ist nicht mehr weit, das Profil wird glatter und wir begegnen immer mehr Menschen. Trotzdem tun Sarah und mir nach den An-und Abstiegen die Füße überall weh und ziemlich schnell fallen wir hinter Micha zurück, der einfach nur noch ankommen will. Wir Mädels hingegen hängen eine Pause an die nächste, und die Campsite ließ weiter auf sich warten. Die Tatsache, dass wir weit über dem Meeresspiegel durch den Urwald laufen, der Campingplatz aber an einer Bucht liegen soll, macht uns fast wahnsinnig. Wo soll den hier eine Bucht kommen, man sieht nur steil zum Wasser abfallendes Gelände bewachsen mit „native forest“? Urwald vom Feinsten, aber keine Bucht.

Keine 10 Minuten später war sie aber doch da, eine große Campingwiese direkt am Wasser. Schnell ist das vom Tau klitschnasse Zelt aufgebaut und der lange freie Nachmittag kann losgehen. Das ist der Vorteil, wenn man um sechs Uhr morgens aufsteht. Der Nachteil ist, in meinem Fall zumindest, man ist todmüde. Deshalb ist außer einem kurzen erfrischendem Bad, auch nicht mehr viel passiert an diesem sonnigen Nachmittag. Wir liegen im Schatten der Bäume, planen die nächsten Tage und pflegen unsere in Mitleidenschaft gezogenen Füße.

Back to civilization

Michas Handywecker klingelt 5:30 aber wir ignorieren ihn gekonnt und schlafen einfach noch ein bisschen weiter. Eigentlich genau eine Stunde, dann zwingt mein innerer Schweinehund mich, jetzt endlich meinen Arsch von der Isomatte zu bewegen, schließlich haben wir heute noch viel vor. Ich bin ehrlich gesagt auch echt aufgeregt. Heute Abend wollen wir an der Pelorus Bridge sein, an der eine schöne DOC (Department of Conservation) „serviced Campsite“ liegt. Das ist ungefähr eine Autostunde von uns entfernt. Vorher müssen wir aber erstmal von dieser Bucht zurück in die Zivilisation finden, und in Havelock einen Zwischenstopp einlegen um unsere Essensvorräte für die nächsten 11 Tage in der Wildnis zu beschaffen. Wir werden diese Strecke also nicht laufen, sondern sind auf das „hitchhiken“, das ist das Reisen mittels Mitfahrgelegenheiten, angewiesen. Zu dritt und mit großem Gepäck, könnte das eine ganz schöne Herausvorderung werden.

Ich verdränge also meine Müdigkeit und quetsche mich aus dem Zelt. Der Muskelkater, welcher wirklich jeden einzelnen Muskel meiner Beine befallen hat, ist dabei kaum zu ignorieren. Na super wenn das jetzt schon wieder so los geht, dann will ich gar nicht daran denken, wie sich meine Wackelpudding-Beine nachher beim Laufen anfühlen werden. Zum Glück sind es nur noch drei Kilometer bis zum Ende des Queen Charlotte Tracks. Danach werden wir komfortabel im Auto reisen. Unser Wecker hat auch nur deshalb so früh geklingelt, weil wir einen straffen Zeitplan haben, Samstags schließt die Post in Havelock schon 12 Uhr. Sarah muss aber zwingend Teile ihres Gepäcks loswerden, wenn die also nicht im Müll landen sollen, dann müssen wir rechtzeitig da sein.

Und da sich das Hitchhiken selten von einem Zeitplan beeindrucken lässt, stehen wir lieber zu früh an der Straße als zu spät.

7:30 Uhr sind wir startklar und Richtung Anakiwa unterwegs. Die Vermutung, dass es ein Ding der Unmöglichkeit wird aus dem Örtchen per Auto wegzukommen, beschäftigt mich schon seit gestern Abend. Aber erst mal sehen was kommt…

Die drei Kilometer vergehen wie im Flug und schon stehen wir in… Anakiwa. Okay, in Deutschland hätte diese süße Ansammlung einer Hand voll Häuser wohl keinen eigenen Ortsnamen bekommen. Aber wir haben einfach vollkommen vergessen, das das hier nunmal die Südinsel Neuseelands ist. Was haben wir erwartet? Schön ist es hier jedenfalls. Nur Autos haben wir noch keine gesehen.

Und jetzt? Ein Blick auf die Karte verrät, das der Highway, der Queen Charlotte Drive, nur etwa vier Kilometer entfernt liegt. Ihr dürft bei dem Wort Highway jetzt aber bitte keine Autobahn in deutschem Stil erwarten, vergleicht es bitte eher mit einer spärlich befahrenen Landstraße, das trifft wahrscheinlich noch am besten zu.

Angesichts der Tatsache, dass wir nun noch vier weitere Kilometer laufen müssen, befinden wir uns plötzlich in Zeitnot. Nur zu dumm, das wir heute morgen nicht eher aufgestanden sind. In einem Tempo, das wir in den letzten Tagen nicht ein einziges Mal erreicht haben, geht es Richtung Highway. Ein kleiner Pfad führt neben der Straße her, gebaut für Te Araroa Wanderer, welche die Strecke von Anakiwa bis zum Pelorus River durchlaufen. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Es war schon wieder so heiß. Am Queen Charlotte Drive angekommen, müssen wir uns erst einmal komplett umziehen, so triefend nass wird uns sonst bestimmt niemand mitnehmen.

Na dann mal los, liebes Glück, lass uns bitte nicht im Stich.

Wir stehen also am Straßenrand, schön in der Sonne, und warten darauf das etwas passiert. Das Problem ist nur: es passiert nichts.

Nicht, das kein Auto anhält, nein es kommt einfach kein Auto vorbei.

Ich habe also noch genug Zeit um ein kleines Schild mit der Aufschrift „Havelock“ zu basteln, sowas soll ja angeblich die Trefferquote erhöhen.

Dann sehe ich in einiger Entfernung das erste Auto kommen. Lächeln, Daumen rausstecken, hoffen. Das Auto ist weg. Naja wäre ja auch ein ganz großer Zufall, wenn es gleich beim ersten mal klappen würde. Weiter gehts. Manche Autofahrer winken, manche machen entschuldigende Gesten, manche tun als ob sie einen nicht sehen würden, keiner hält an.

Sarah hat schlechte Laune, weil die Zeit rennt. Plötzlich verschwindet sie in dem Garten vor dem wir uns platziert haben und kommt wenig später mit einer guten Nachricht wieder raus. Die nette Frau wird uns nach Havelock fahren.

Neuseeland ist doch immer wieder für Überraschungen zu haben.

Was würdet ihr machen, wenn jemand plötzlich in eurem Garten stehen würde, mit der Frage auf den Lippen, ob ihr ihn mal soeben in den 30 Minuten entfernten, nächsten Ort fahren würdet? Natürlich ja sagen, versteht sich doch von selbst (aber bitte dann auch das angebotene Fahrgeld ausschlagen)!

Jaja, Neuseeland eben.

Wir sind überwältigt, und gleichzeitig fast schon unbeeindruckt… Die Menschen hier sind einfach zu freundlich.

Wir sitzen im Straßengraben und warten noch einen Moment auf die nette Fahrerin. Micha schaltet derweil für den Zeitvertreib sein Kopfkino an und spinnt etwas herum: „Wäre doch lustig, wenn wir uns jetzt gar keine Mühe geben und trotzdem ein Auto anhalten würde.“ Ein weißer Geländewagen kommt die Serpentinenstraße hinuntergefahren und Micha setzt noch einen drauf: „Noch witziger wäre es, von einem DOC Ranger mitgenommen zu werden“. Ja, witzig auf jeden Fall…

Wir beobachten das Auto wie es langsam näher kommt, bis es in eine Kurve fährt die wir von unserem Platz aus nicht einsehen können. Tagträumerisch starten wir in die Ferne, in der Erwartung das Auto in wenigen Sekunden wieder sehen zu können. Aber nichts passiert. Die Sekunden häufen sich bis aus ihnen Minuten werden. „Das kann doch nicht sein, sag mal stand in der Kurve nicht vorhin der Franzose, den wir auf dem Queen Charlotte Track getroffen haben?“, schießt es plötzlich aus Micha heraus. Er hat Recht, wie schade, dass wir nicht da vorne standen, dann hätte er uns bestimmt mitgenommen. Naja wichtig ist es für uns ja nun auch nicht mehr, wir haben dank Sarah inzwischen ja einen Weg gefunden nach Havelock zu kommen, schade ist es trotzdem. Vollkommen in Gedanken versunken haben wir gar nicht mitbekommen, das der weiße Geländewagen inzwischen wieder auf unserer Bildfläche aufgetaucht ist, und tatsächlich, auf dem Beifahrersitz entdecken wir ein bekanntes Gesicht, das uns angrinst. Das Auto hält neben uns an: „Do you need a lift to Havelock?“ Wir sind überrumpelt, rufen Sarah noch schnell zu, das wir uns gleich in dem Ort wieder treffen, werfen unsere Rucksäcke auf die überdachte Laderampe und krabbeln ins Auto. So habe ich zumindest kein schlechtes Gewissen, weil die nette Frau aus dem Haus hinter uns, die drei riesigen Rucksäcke und uns noch dazu in ihr kleines grünes Auto quetschen muss.

Und schon geht es los, über den Queen Charlotte Drive. Das letzte mal als wir hier waren, hat sich noch unser eigenes Auto die in den Felsen geschlagenen Serpentinen entlang geschlängelt.

Schön wieder hier zu sein…

Dann kann ich aber gar keinen weiteren Gedanken an irgendwelche albernen nostalgischen Gefühle verschwenden, weil ich versuche während ich auf die unfassbar schöne Landschaft starre mich gleichzeitig ab dem Gespräch mit unserem netten Fahrer zu beteiligen. Typisch Hitchhiken, da artet eine kleine Mitfahrgelegenheit, gleich wieder zu einem kompletten kulturellen Austausch aus.

Nebenbei haben wir dann aber auch noch erfahren, dass unser lieber Fahrer doch tatsächlich ein DOC Ranger ist. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, dass Micha total ausgeflippt ist (natürlich aber erst als wir ausgestiegen sind) :D.

In Havelock sind wir dann gleich zu unserem geplanten Großeinkauf aufgebrochen, nachdem wir direkt bis zu dem kleinen FourSquare Supermarkt gefahren wurden. Unser Fahrer wollte zwar eigentlich in die andere Richtung, war aber nicht davon abzubringen uns bis dort hin zu bringen. Wieso auch nicht. 🙂

Unser „kleiner“ Einkauf endet leider in einem vollen Einkaufswagen und leicht überforderten Verkäuferinnen. Auch von den anderen Besuchern werden wir etwas seltsam gemustert. Beim Bezahlen wird mir auch klar warum: 180 Dollar hat unser olles Trockenfutter gekostet. Na toll, und das für eine Tasse Haferflocken, eine Hand Nüsse und ein paar trockene Nudeln pro Tag. Egal, zumindest sind wir jetzt für die kommenden zwölf Tage fernab der Zivilisation bestens ausgerüstet mit unserem Trockenfutter.

Außerdem haben wir jetzt endlich alles erledigt, der Einkauf ist getan, und Sarah hat ihr Paket währenddessen auch schon zur Post gebracht. Jetzt freuen wir uns alle auf den schönen Campingplatz an der Pelorus Bridge, wo wir uns auch unsere wohlverdiente Entspannung abholen können. Nach einer kurzen Snackpause stehen wir also schon wieder am Straßenrand den Daumen nach oben zeigend, und es dauert auch nicht lange dann sitzen wir im nächsten Geländewagen auf dem Weg zu unserem Ziel.

Direkt vor dem Campingplatzbüro dürfen wir aussteigen. Leider lasse ich vor lauter Aufregung Michas neues Cappi liegen, welches ich die letzten Tage als Sonnenschutz getragen habe. Naja, Micha ist natürlich nicht sauer, ich auf mich selbst aber umso mehr. Ein Umstand der leider für keinen im näheren Umkreis von mir ein Vergnügen ist. Letztendlich gehen wir dann trotzdem im Pelorus River baden und ich habe mich wieder eingekriegt, auch wenn ich mich natürlich trotzdem geärgert habe.

Den Rest des Tages haben wir mit all den Dingen verbracht, die wir in den letzten Tagen so vermisst haben. Duschen zum Beispiel. Oder Wäsche waschen. Insbesondere aber im Schatten liegen und entspannen, mit dem ein oder anderen „schwimmen und abkühlen“ Intermezzo.

Ein wirklich gelungener Tag also. 😉

Liebe Grüße vom Trail!

Miri und Micha


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