Te Araroa Diaries Teil 6

Der Waiau Pass Track

Es schlägt 6 Uhr am 1.1.2018 als unser Wecker klingelt. Dir auch ein gesundes Neues Jahr lieber Wecker. Schlaftrunken richte ich mich auf und versuche Miri zu wecken. Klappt sogar. Total übermüdet packen wir leise unsere Rucksäcke zusammen und verschwinden in die Hostelküche. Ihr fragt euch sicher, warum wir so früh los müssen. Die Antwort ist ziemlich einfach: unser Shuttle zurück nach St Arnaud fährt nur einmal am Tag und das um 7 Uhr 30. Nachdem wir ein letztes kostenloses Frühstück in unserem Hostel zu uns nehmen, gehen wir schon einmal die Trailnotes für den heutigen Tag durch. Entweder wir laufen entspannte drei Stunden oder beißen uns knapp sieben Stunden durch. Noch ein letzter Schluck Kaffee währendem wir unsere Teller abwaschen und schon geht es durch die leergefegten Straßen Nelsons. Nach einer kleinen Verspätung kommt unser Shuttle doch noch. Müde steige ich in den Bus und suche mir einen Platz, vergeblich. Organisatorisch ist leider etwas schief gegangen und der Bus hat einen Platz zu wenig. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Chef des Shuttleservice bekomme ich einen kostenlosen Platz auf dem Fußboden angeboten. 45 Dollar reicher sitze ich nun auf dem Boden während sich unser Bus langsam Richtung St Arnaud schlängelt. Miri hat dagegen einen Platz gefunden und anfangs war ich mir nicht sicher ob ich mir Sorgen machen sollte oder nicht. Es war nicht ganz ersichtlich ob sie bewusstlos ist oder einfach total übermüdet schläft. Immerhin hatte es für mich einen gewissen Unterhaltungswert und die Zeit vergeht ziemlich fix. Nach 90 Minuten Fahrtzeit kommen wir in St Arnaud an und steigen, immernoch sehr müde, aus dem Shuttle aus. Und auf einmal steht Joel vor mir. Ihn haben wir das letzte mal in den Richmond Ranges gesehen und seine Frau ist auch nicht weit. Nach ein paar Tipps von den beiden und einer herzlichen Verabschiedung machen wir uns auf den Weg zur Lakehead Hut.

Den Weg kennen wir schon vom letzten Jahr und somit warten keine bösen Überraschungen auf uns. Doch wir merken schnell das wir sehr müde sind. Der recht einfache Weg zieht sich wie zähes Kaugummi und wir schaffen es gerade so in der angegeben Zeit. Miri läuft ein Stück vor mir und ich kann ihre Müdigkeit bei vielen Schritten spüren. Sie ist dadurch sehr unkonzentriert und knickt und stolpert das eine oder andere Mal. Wir entschließen uns schließlich dafür nicht zur zweiten Hütte zu laufen. Das Risiko einer Verletzung erscheint uns heute einfach zu hoch. An der wunderschönen, 16 Betten großen Hütte angekommen rollen wir sofort unsere Schlafsäcke aus und verfallen in einen mehrstündigen Mittagsschlaf. Wie ihr merkt waren wir wirklich müde und haben die Ruhezeit einfach gebraucht. Nachdem wir wieder einigermaßen munter sind gehen wir einer unserer Hauptaufgaben nach, dem Essen. Heute gibt es leckeren Uncle Bence Reis. Nebenbei haben wir einige spannende und lustige Unterhaltungen mit anderen Wanderern. Ein paar aus den USA, ein anderer kommt wiederum aus Großbritannien. Aufgrund der unterschiedlichen Herkunft werden die Gespräche nicht langweilig und die unterschiedlichen Lebenswege sind sehr interessant. Doch die Müdigkeit siegt gegen das Interesse und schließlich verabschieden wir uns in unsere Schlafsäcke. Wie immer kann ich ziemlich schnell und gut einschlafen und die Nacht ist sehr erholsam. Nur Miri hat Probleme damit fest zu schlafen, da sie bereits mittags zu lange geschlafen hatte. Und glaubt mir sie schläft mittags für gewöhnlich nie.

Nach einer, für mich, erholsamen Nacht geht es 7 Uhr 30 Richtung Upper Traverse Hut. Vor uns liegen laut Trailnotes gute sieben Stunden Wanderung. Miri und ich entscheiden uns dafür zum Frühstück lediglich einen Schokoriegel zu essen und werden nach der Hälfte des Weges eine längere Pause einlegen um Porridge zu kochen. Den ersten Teil des Weges kennen wir ebenfalls noch vom letzten Jahr und dieser Abschnitt fällt uns ganz leicht. Ich schwelge ein wenig in Erinnerungen. Es ist fast ein Jahr her seitdem wir das letzte mal hier gewandert sind, doch es fühlt sich an als wäre es gestern gewesen

Beschilderung zur Hopeless Hut in der wir letztes Jahr bereits waren

Das einzige das meine Gedanken

unterbricht ist die Tatsache, dass wir sacknass sind. Seit nunmehr zwei Stunden laufen wir durch hüfthohes und nasses Gras. Miris Schuhe sind komplett durchnässt und sie muss sogar einmal das Wasser aus ihren Schuhen schütten um einigermaßen entspannt weiterlaufen zu können. Doch nach und nach wird es wärmer, das Gras trockener und der Weg schöner. Nachdem wir die zweite Hängebrücke passieren kommen wir an eine Weggabelung. Hier könnte man zur Hopeless Hut abbiegen in welcher wir letztes Jahr übernachtet hatten.

Kurze Snackpause und weiter gehts. Nach zwei weiteren Stunden erreichen wir schließlich die John Tait Hut. Endlich Porridge! Nach einer einstündigen und wohlverdienten Pause ziehen wir weiter Richtung Tagesziel. Der Weg beginnt etwas anspruchsvoller zu werden, aber ist im Vergleich zu den Richmond Ranges wirklich entspannt. Auf unserem Weg können wir einige wunderschöne Wasserfälle bewundern und nutzen die Motive um einige Fotos zu schießen.

Einer von vielen wunderschönen Wasserfällen im Nationalpark

Die Wasserfälle sind jedoch nicht das einzig bewundernswerte. Um uns herum eröffnen sich wunderschöne Blicke auf die um uns herumliegenden Bergkämme. Einfach gigantisch! Immer wieder wird einen die Schönheit der Natur vor Augen geführt.

Nach ein paar Kilometern durch den Wald kommen wir auf einen mit Blumen und Moos bewachsene Wiese und vor uns sehen wir die Upper Traverse Hut. Im Hintergrund erstrecken sich die Berge und der Blick lässt uns innehalten. Wir sind uns einig, schnell zur Hütte, waschen und dann Bilder machen. In der Hütte angekommen herrscht schon viel Betrieb. Bis auf drei Bettplätze ist die 24 Betten starke Hütte komplett voll. Es gibt zwei abgetrennte Schlafbereiche und einen großen Aufenthaltsraum mit Tischen, Kochmöglichkeiten und einem Kaminofen. Nach einer kurzen Dusche im nahegelegenen Bach gehen wir zum fotografieren über. Einfach atemberaubend!

Upper Traverse Hut

Schließlich wird uns kalt und wir entscheiden uns dafür in die Hütte zu gehen um Essen zu kochen. Heute gibt es Nudeln mit getrockneten Erbsen, getrockneten Tomaten und leckeren Gewürzen. 400g Nudeln stellen für uns nach einem solchen Tag keine Herausforderung dar. Schnell noch abwaschen und alles vorbereiten für den morgigen Tag. Wasservorräte auffüllen und den Rucksack schon so gut es geht packen, denn Morgen wollen wir spätestens 6 Uhr los. Nachdem wir fertig sind geht es in unsere geliebten Schlafsäcke. Diese Nacht wird leider nicht so erholsam wie die letzte Nacht. Mit zehn anderen Wanderern in einem Raum kann die Nacht auch sehr lang werden, sobald einer oder gar mehrere schnarchen. Irgendwann zwingt mich die Müdigkeit zum Glück in die Knie. Miri hat da wieder einmal nicht so viel Glück und kann deutlich schlechter einschlafen als ich.

Heute steht ein langer Tag bevor. Wir planen zwei Hütten weiter zu kommen. Das heißt wir versuchen zu der Blue Lake Hut zu kommen. Das wäre dann ungefähr ein neun Stunden Tag für uns. 6 Uhr 20 schaffen wir es schließlich von der Hütte loszukommen. Wir entscheiden uns dafür keinen Porridge zu kochen, sondern essen lediglich zwei große Schokoriegel um die nötige Energie für die ersten vier Stunden zu bekommen. Das frühe losgehen hat sich definitiv gelohnt. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen unser Tal und wir freuen uns jetzt schon darauf auf dem Travers Saddle (ca. 1700m) Bilder zu machen und die Aussicht zu genießen. Nach einer Stunde stetigen bergauf haben wir das erste Highlight unseres heutigen Tages erreicht. Die Bilder können jedoch nur ansatzweise die Schönheit der Gegend wiedergeben.

Der Ausblick nach einem anstrengen Anstieg

Nach einer ausgiebigen Pause geht es schließlich weiter. Die Aussicht ist weiterhin atemberaubend! Doch schließlich geht es Richtung Abstieg. Nun haben wir einige Stunden vor uns in denen es lediglich bergab geht. Hier ist es wichtig, dass wir uns konzentrieren um nicht umzuknicken oder zu stürzen. Auf der Hälfte der Strecke machen wir unsere nächste Pause um Kräfte zu sammeln und unsere Gelenke zu schonen. Als Miri gerade ihre Snacks aus ihrem Rucksack holt stockt uns kurz der Atem. Ihr Rucksack fällt nicht in die gewünschte Lage zurück sondern beginnt bergab zu rollen. Nach 40m wird der Rucksack glücklicherweise durch zwei Bäume gestoppt. Nach einer kurzen Schockstarre machen wir uns zügig auf den Weg zum Rucksack und sammeln währenddessen schon alles herausgeflogene auf. Zum Glück war es nichts zerbrechliches sondern lediglich Wäsche und Miris Daunenjacke. Am Rucksack angekommen checke ich erstmal grob auf Schäden und bringe ihn nun wieder zurück zu unserem Pausenplatz. Dort überprüfen wir beide sämtlichen Inhalt auf Schäden und glücklicherweise sind keine zu verzeichnen. Zum Glück haben wir einen robusten Rucksack von Deuter. Klar wiegt dieser ein paar Kilogramm mehr, aber ein Ultralight-Rucksack hätte das ganze wahrscheinlich nicht heil überstanden. Nachdem wir uns schließlich von unserem Schreck erholt haben geht es für uns weiter Richtung Halbzeit unseres Tages. Endlich kommen wir an der sehr schönen West Sabine Hut an. Endlich wieder Porridge und Kaffee! Miri und ich genießen die circa einstündige Pause und freuen uns über unsere gefüllten Mägen. Jetzt wird noch kurz der Abwasch erledigt und die Wasserbeutel aufgefüllt und dann geht es weiter Richtung Blue Lake Hut. Hier wollen wir unbedingt ankommen, um am Abend schöne Bilder schießen zu können. Der Blue Lake ist laut Lonely Planet und National Geographic einer der klarsten Seen der Welt. Das ist doch mal ein geniales Tagesziel! Also los gehts! Noch drei Stunden liegen vor uns. Die ersten zwei Stunden laufen sich prima. Ab dann beginnt es sich sehr zu ziehen und der Weg wird immer härter. Es geht stetig bergauf und wir merken, dass wir bereits acht Stunden hinter uns haben. Alle fünf Minuten schaue ich auf die Uhr und verfluche den Weg dafür, dass er immer weiter und weiter führt. Immer öfter brauche ich eine Stehpause. Miri dagegen möchte einfach nur noch ankommen. Schließlich schaffen wir es und sehen vor uns die ebenfalls wunderschön angelegte Blue Lake Hut. Geschafft! Wir legen unsere Rucksäcke ab und entscheiden uns dafür erstmal ein paar Bilder zu machen, bevor wir kochen möchten. Also los geht es zum 100 Meter entfernten Blue Lake. Und da sehen wir ihn auch endlich und schaut selbst wie kristallklar der See ist.

Der kristallklare Blue Lake

Wir versuchen uns an ein paar weiteren Bilder und schließlich gehen wir zu einem nahegelegenen Fluss um uns zu duschen. Nach einer wirklich kalten Dusche in einen wirklich kalten Fluss geht es schnell Richtung Hütte zurück, denn wir haben echt Hunger. In der Hütte herrscht reges Treiben und eine ältere DOC Rangerin erzählt ihre interessantesten Geschichten. Leider dreht es sich in den meisten Fällen um verstorbene oder vermisste Wanderer. Das sind keine Geschichten die man gerne hören möchte, vor allem nicht einen Tag bevor man über einen komplizierten Pass wandern möchte. Hinzu kommen einige Warnschilder die einen darauf hinweisen, dass wirklich nur äußerst erfahrene Tramper über den Pass wandern sollten. Nach der dramatischen Geschichtsstunde und einem leckeren Essen bereiten wir noch schnell alles für den nächsten Tag vor und gehen ins Bett.

Diesmal ist es für mich nicht gerade die beste Nacht. Ich wälze mich im Bett hin und her. Schließlich schaffe ich es doch noch einzuschlafen. Leider reißt mich der Wecker bereits fünf Uhr aus dem Schlaf. Kurz alles zusammenpacken und los geht es Richtung Waiau Pass. Nach einer Stunde bergauf erreichen wir den Lake Constance. Bereits hier ist es bereits kompliziert zu wandern und gerade die kurzen Abstiege sind extrem steil. Wir müssen uns extrem konzentrieren, da jeder kleine Fehltritt wehtun würde.

Nach einigen kurzen Auf- und Abstiegen kommen wir schließlich am Ende des Sees an und von da können wir auf den Pass blicken. Ziemlich weit oben sehe ich, dass man einen schmalen Pfad auf einem Geröllfeld erkennen kann. „Erahnen“ ist hier wohl das bessere Wort. Jeder der mich gut kennt, weiß das ich vor einigen Jahre nicht einmal eine fünf Meter hohe Brücke hätte herunter schauen können, ohne dabei vor Angst zu zittern. Ich hatte früher extreme Höhenangst, doch habe mittlerweile durch viel Geduld und viele Ausflüge (Canyoning, Klettersteige etc.) gelernt damit umzugehen. Doch verloren habe ich meine Höhenangst nie. Und dieses Stück ist so extrem steil, dass ich schon jetzt Respekt davor habe. Miri sieht es mir sofort an und versucht mich aufzumuntern. Wir entscheiden uns dafür vor dem Aufstieg noch eine letzte längere Pause zu machen. Hier essen wir noch ein paar Snacks und getrocknete Früchte um ein möglichst hohes Energielevel zu haben.

Dann geht es auch schon los. Miri geht vor und ich folge ihr in einigem Abstand. Heute fällt es mir viel schwerer als an jedem vergangenen Tag. Aufgrund meiner Anspannung verbrauche ich ungefähr das doppelte an Energie wie Miri und somit fällt es mir deutlich schwerer den Pass zu bezwingen. Doch zum Glück ist es nicht ganz so steil wie es anfänglich aussah und ich kann das ganze etwas mehr genießen. Miri ist dennoch gut 20 Höhenmeter über mir und sie hat heute gar nicht damit zu kämpfen. Seit unserer Pause in Nelson ist sie in einer genialen Verfassung. Ich dagegen quäle mich weiter und weiter. Der erste harte Anstieg ist geschafft und wir haben die Möglichkeit uns noch einmal kurz auszuruhen bevor es zum finalen Anstieg übergeht. Nach drei Stunden haben wir es schließlich geschafft. Wir sind am höchsten Punkt angekommen. Die Aussicht ist einfach grandios! Die Anstrengungen haben sich definitiv gelohnt!

Ausblick vom höchsten Punkt des Waiau Passes

Zu unserem Erstaunen stellen wir wir fest, das eine Frau mit einer Gehbehinderung neben uns pausiert. Sie hat die doppelte Zeit gebraucht und wir finden es bewundernswert und ein wenig risikoreich zugleich, denn der Weg war definitiv nicht leicht. Doch viel Zeit zum zelebrieren bleibt uns nicht, denn der komplizierte Teil unseres Tages liegt erst noch vor uns. Jetzt heißt 1100 Höhenmeter bergab! Und das ganze geht sogar noch steiler bergab als gedacht. Zwischenzeitlich müssen Miri und ich kleinere Klettersektionen einlegen um weitergehen zu können. Wir müssen uns zu jeder Zeit zu 100% konzentrieren, denn ein Sturz wäre an dieser Stelle fatal. Aufgrund der Wegbeschaffenheit zieht sich der Weg und die Stunden ins unendliche. Mittlerweile sind wir bereits 6 Stunden unterwegs und wir sind noch nicht ansatzweise unten. Miri ist bereits einige Minuten vor mir, aber immernoch in Sicht. Ich schaffe es heute einfach nicht dranzubleiben. Zu allem Übel ziehen sich die Wolken über uns zusammen und es beginnt immer wieder leicht zu regnen. Endlich sind wir einer kleinen Stelle angekommen, an der es möglich wäre zu zelten. Wir entscheiden uns dafür über Nacht hier zu bleiben. Kurz nachdem das Zelt steht beginnt es ziemlich stark zu regnen. Zum Glück schaffen wir es noch im halbtrockenen zu kochen. Wir legen uns in unsere Schlafsäcke und erholen uns von dem sehr anstrengenden Tag. Vier Stunden später trifft auch endlich die Frau mit der Gehbehinderung ein. Darüber sind wir äußerst froh, da Miri und ich uns echt Sorgen gemacht haben wir schon kurz davor waren zurück zu laufen um zu schauen ob alles in Ordnung ist. Seit nunmehr vier Stunden regnet es sehr stark und das ohne Pause. Der Fluss den wir am nächsten Tag überqueren müssen ist bereits jetzt doppelt so breit und stark wie noch vor vier Stunden. Die Frau entscheidet sich auch zu campen. Jedoch hat sie kein Zelt dabei, sondern lediglich ein Tarp.

Unser zuverlässiges Nordiskzelt hält dem Regen stand

Wahnsinn bei der Nässe und Kälte möchte ich mein Zelt echt nicht missen. Nach einem kurzen Gespräch verziehen wir uns wieder in unsere warmen Schlafsäcke und. versuchen zu schlafen. Leider wird das nicht wirklich was. Immer wieder werden wir durch den extrem starken Regen geweckt. Puh, zum Glück haben wir echt ein gutes Zelt und es hält, trotz starker Bedenken, dem Regen stand.

Am nächsten Morgen ist die Situation leider unverändert und es ist weiterhin unmöglich den Fluss zu durchqueren. Verdammt, wir stecken hier also solange fest, bis es aufgehört hat zu regnen unser Fluss wieder seinen Normalzustand erreicht hat. Zum Glück haben wir immer mehr als genug Essen dabei. Also wird heute eine Zwangspause eingelegt. Da den gesamten Tag lang niemand auftaucht vermuten wir, dass zum Glück niemand versucht bei diesem Wetter über den Pass zu kommen. Das wäre auch alles andere als ungefährlich.

Ich schlafe fast den ganzen Tage und erhole mich von gestern. Miri liest ein wenig und zwischendurch vertreiben wir uns die Zeit mit essen.

Miri bereitet leckeren Porridge im Regen vor

Wir laden unsere Wanderpartnerin in unser Vorzelt ein, damit sie wenigstens im Trockenen essen kann. Nach ein paar netten Gesprächen geht jeder wieder in seinen Schlafsack zurück. Miri und ich reden heute besonders viel über das Essen und entscheiden uns so schnell es geht nach Boyle Village zu kommen, um endlich neues Essen zu haben. Endlich nicht nur Couscous, sondern Abwechslung! Mit diesem Gedanken schlafen wir ein. Diese Nacht ist deutlich besser. Wir beide können fast durchschlafen. Und endlich am nächsten Morgen ist der Regen vorbei. Endlich! Jetzt heißt es nur noch abwarten, bis der Fluss wieder normal ist. Wir packen alles zusammen und gegen 11 Uhr wagen wir schließlich unser Glück. Unsere erste wirklich herausfordernde Flussdurchquerung. Schritt für Schritt gehe ich als erster voran und kämpfe mich schräg stromaufwärts. Schließlich steht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln und die Strömung ist so stark, dass ich bei jedem Schritt aufpassen muss nicht zu stürzen. Ich schaue nach hinten. Miri geht es genauso. Ihr steht das Wasser noch höher und auch sie muss jeden Schritt kämpfen. Doch schließlich schaffen wir es ans andere Ufer. Von nun an ist es einigermaßen entspannt und wir sind so erstaunt als wir nach 2,5 Stunden an der Hätte ankommen. In unseren Aufzeichnungen hieß es nämlich vier Stunden. Hätten wir das gewusst wären wir noch weiter gelaufen. Doch das ist nicht zu ändern. Endlich wieder in einer trockenen Hütte! Wir machen uns etwas zu Essen und genießen ein paar angenehme Unterhaltungen mit ein paar anderen Wanderern. Denn immer mehr und mehr treffen in der Hütte ein. Alle saßen den letzten Tag vor dem Pass fest und somit kam ein richtiger Schwall an Wanderern. Am späten Nachmittag sind wir schließlich zu neunt in einer 6-Bunk Hütte und es kommen noch mehr. Die anderen müssen leider ihre Zelte draußen aufschlagen, da einfach kein Platz mehr ist.

Miri und ich entscheiden uns dazu am nächsten Tag nicht nur zur nächsten Hütte zu laufen, sondern zur übernächsten. Das wären dann ca. 45km! Soweit erstmal der Plan. Wir bereiten alles vor und wollen spätestens 6 Uhr los.

Nach einer nicht wirklich erholsamen, aber immerhin trockenen Nacht brechen wir pünktlich 6 Uhr auf. Wir können unser Glück kaum glauben! Der Weg ist eben und keine Anstiege oder wirkliche schwierige Abschnitte. Unser heutiger Weg schlängelt sich durch ein riesiges Tal und ist umringt von malerischen Bergkämmen und Bergen. Einige Kilometer bevor wir zu ersten Hütte kommen, sehen wir eine riesige Farm mitten im nirgends. Etliche Pferde grasen auf einer großen Weide und im Hintergrund erstrecken sich majestätische Berge. Wahnsinn! Hier zu leben muss paradiesisch sein. Wir legen eine kurze Pause ein und genießen den Ausblick.

Dann geht es weiter. Nach 27km erreichen wir schließlich die Anne Hut. Diese Hütte ist nagelneu und bisher eine der schönsten Hütten auf unserem bisherigen Trip.

Nagelneue Anne Hut von innen

Hier legen wir eine Mittagspause ein. Noch einmal Kräfte sammeln für die letzten knapp 18km.

Dann geht es los. Der Weg bleibt unverändert angenehm, doch nach neun Stunden und knapp 35km merken wir deutlich wie hart der Tag bisher ist und wie hart es noch werden wird. Die nächsten 2,5 Stunden ziehen sich fast ins unendliche und jede noch so kleine Steigung ist eine unendliche Qual für Körper und Geist. Doch nach einer Laufzeit von 11 Stunden und 30 Minuten haben wir es letztlich geschafft! Wir haben heute wirklich 45km geschafft! Wahnsinn! Und nur zwei andere verbringen diese Nacht mit uns in der Boyle Flat Hut. Heute können wir jedoch nicht viel mehr als noch etwas kochen und dann direkt schlafen. Heute schlafen wir beide wie ein Stein!

Am nächsten Morgen merken wir deutlich die Kilometer des gestrigen Tages. Wir kommen nur sehr schwer in die Gänge. Erst 8 Uhr 30 schaffen wir es loszulaufen.

Doch die Motivation ist sehr groß! Nur vier Stunden trennen uns von frischen und abwechslungsreichen Essen. Also los geht es! Es fühlt sich nicht wirklich nach einem neuen Tag an. Es fühlt sich eher an als würde man nach den 45 Kilometern lediglich eine kurze Pause eingelegt haben und nun weiterlaufen. Doch unser Hunger ist ebenfalls groß und so schaffen wir es in knapp drei Stunden nach Boyle Village. Hier wartet auf uns ein Essenspaket und auf dem Weg haben wir uns dazu entschieden zwei Nächte im Outdoor Education Center zu verbringen. Wir müssen dringend Wäsche waschen und wollen uns einfach ein wenig erholen. Weiterhin wollen wir endlich mal wieder unserer Familie schreiben und den Blog pflegen. Am Education Center angekommen werden wir von einer sehr lieben Dame empfangen und bekommen unsere Pakete. Da Sarah leider aufgehört hat, haben wir jetzt auch ihre Essenvorräte zu Verfügung und können ausgiebig überlegen, was wir genau mitnehmen möchten. Danke Sarah!

Neue Vorräte für die nächsten Tage

Nachdem wir unsere Pakete bewundert haben, bekommen wir unser Zimmer gezeigt und alles weitere, wie zum Beispiel das Bad etc. Während ich schnell unter die Dusche springe bereitet Miri schon das Mittagessen vor. Endlich wieder Uncle Bence Reis mit Pfeffer und Salz. Nachdem wir gegessen haben (4 Packungen!!!) beginne ich damit unsere Wäsche zu waschen. Die liebe Frau vom Education Center fragt uns zwischendurch, ob sie uns am nächsten Tag etwas aus der nächstgelegenen Stadt mitbringen kann. Sofort beginnen wir eine Einkaufsliste zu schreiben, denn wir möchten unbedingt wieder Brot und ein paar Avocado. Nach viel Essen und mit frisch gewaschenen Sachen sitzen wir gemütlich in unserem Bett und freuen uns einfach darüber zu entspannen. Im Laufe des Tages kommen immer wieder Wanderer und holen ihre Essenspakete. Am Abend sind wir dann in angenehmer Gesellschaft. Drei weitere Te Araroa Wanderer haben sich dazu entschlossen ein paar Nächte hier zu verbringen. Schließlich entscheiden wir uns dazu ins Bett zu gehen um noch ein wenig zu entspannen. Endlich ein normales Bett mit normalen Matratzen. Es ist schon komisch, in Deutschland war es für uns normal warm zu duschen, oder an den Kühlschrank zu gehen und eine riesige Auswahl an Essen zu haben. Jetzt sehe ich diese Normalität als Privileg an. Nun werden wir den letzten Tag genießen bevor es Richtung Arthurs Pass weitergeht. Bis hier war jeder Tag genial und wir bereuen unsere Entscheidung diesen Weg zu wandern zu keiner Zeit.

Jeder Tag ist wundervoll.

Never stop exploring!


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