Te Araroa Diaries Teil 9

Nach einer, für mich, wenig erholsamen Nacht im Hostel wälze ich mich bereits 7 Uhr hin und her. Leider schaffe ich es einfach nicht noch einmal einzuschlafen. Ich schaue schräg zu Miri ins Bett rüber und sehe, dass sie ebenfalls nicht mehr schlafen kann. Was macht man also wenn man nicht mehr schlafen kann und Langeweile hat? Richtig, essen! Wir stehen auf und gehen in den Supermarkt um die Ecke. Endlich wieder leckeres Toastbrot mit Käse und Tomate. Leckerer Hummus dient uns als Brotaufstrich. Der Tag ist jetzt schon perfekt! In der Küche ist schon ziemlich viel los. Insgesamt sind weitere zehn Wanderer mit uns im Hostel und vier andere deutsche Backpacker. Die vier Mädels arbeiten in einem lokalen Kaffee und sie fallen mir nicht durch viele positive Bemerkungen auf. Egal, ich versuche das ganze Ningeln über schlechten Internetempfang und ungünstige Arbeitszeiten zu ignorieren und widme mich der Tagesplanung. Viele Backpacker kann und will ich glaub ich nicht verstehen. Zwischen Abi (April/Mai) und Abreise nach Neuseeland (meist Oktober/November) liegen ungefähr 4-7 Monate. In dieser Zeit kann man definitiv genug Geld ansparen um in Neuseeland gut über die Runden zu kommen. Ich möchte meine kostbare Zeit jedenfalls nicht damit verbringen bei sonnigen 30 Grad auf irgendeiner Plantage Erdbeeren zu pflücken und das für einen geringen Lohn. Doch jeder wie er mag.

Nachdem wir uns mit den Anderen über die letzten Tage ausgetauscht haben, überlegen wir unser zukünftiges Vorgehen. Miri hat leider ziemliche Probleme mit ihrer Achillessehne bekommen. Sie möchte unbedingt weiter, aber ich überrede Miri schließlich dazu eine mehrtägige Pause einzulegen. Mit einer Entzündung zum höchsten Punkt des Te Araroa zu laufen ist nicht die beste Idee und somit einigen wir uns darauf noch zwei weitere Tage zu pausieren. Einen in Methven und den darauffolgenden in Geraldine. Von dort wollen wir dann versuchen zum Startpunkt unseres nächsten Abschnitts zu kommen. Was jedoch nicht leicht werden wird. Doch mehr dazu später.

So, was machen wir jetzt mit unserer ganzen Zeit? Richtig, noch mehr essen! Also nochmal in den Supermarkt. Jetzt holen wir uns ein paar Zutaten für eine leckere Bolognese. Zurück im Hostel entscheide ich mich dazu in den zwei nahegelegenen Outdoorläden nach preisgünstigen, aber stabilen Wanderstöcken zu fragen. Leider haben sie nur sehr teure. Der Chef des Outdoorladens erkennt jedoch meine Lage und bietet mir an welche zu bestellen. Nachdem ich mir passende ausgesucht habe leitet er alles in die Wege, damit ich sie bereits am nächsten Tag bekomme. Man(n) muss auch mal Glück haben! Erfreut gehen wir zurück ins Hostel. Dort angekommen schauen wir mit den anderen TA-Walkern den ersten Teil der Herr der Ringe-Trilogie. Ich weiß es ist schon sehr Klischeehaft genau diesen Film in Neuseeland zu schauen, aber es hilft gegen Langeweile. Während des Films sortieren wir bereits Bilder aus und Miri ist fleißig dabei einen neuen Blogartikel für euch zu schreiben. Doch zu viel mehr sind wir heute einfach nicht im Stande. Müde und mit Muskelkater im gesamtem Körper gehen wir ins Bett. Hoffentlich wird sie erholsam..

Morgenstund hat….was auch immer, aber heute definitiv nichts tolles im Mund. Leider war auch diese Nacht nicht erholsam und viel zu kurz. 6 Uhr 30, wir sind beide hellwach und gleichzeitig so kaputt. Liegen bleiben ist die beste Idee. Jedenfalls für weitere fünf Minuten, da Miri mal wieder Hunger hat. Also Supermarkt die Dritte;). Aber nachdem wir gegessen haben und Miris Hunger gestillt ist (ja, das geht sehr wohl!) legen wir uns zurück ins Bett. Miri schreibt weiter an einem Blogartikel und ich beginne ebenfalls damit eine Review über unser Zelt zu verfassen. Blogarbeit ist wirklich genial um Langeweile zu bekämpfen. Mittags begeben wir uns mal wieder in die Küche. Unsere Wandergenossen haben sich bereits dazu entschlossen den zweiten und dritten Teil von „Der Herr der Ringe“ zu schauen. Ich finde die Idee super. Miri und ich entscheiden uns dafür erstmal abzuklären, ob meine Wanderstöcke wirklich rechtzeitig angekommen sind. Und siehe da, sie sind angekommen! Endlich wieder mit Stöcken wandern!

Jetzt können wir beruhigt dabei zusehen wie Frodo Mittelerde rettet. Während des Films versuchen Miri und ich einen Transport zu organisieren, um übermorgen zu unserem nächsten Startpunkt zu gelangen. Leider sind die Angaben in den Trailnotes falsch. Keines der angegeben Shuttles fährt die Strecke. Glücklicherweise finden wir auf Facebook eine Nummer. 65 Dollar pro Person, falls wir zu zweit sind. Wären wir zu viert wären es 40 Dollar. Die Rechnung versteht zwar kein Mensch, aber da es unmöglich ist 70km auf einer Straße zu Hitchhiken die nicht bewohnt ist, kommt es uns gelegen. Zum Glück entscheidet sich Elena und Livio ebenfalls dazu mit uns zu kommen. Jiha, nur noch 40 Dollar! Klar ist das trotzdem viel Geld, aber dafür müssen wir keine zwei Tage an einer langweiligen Schotterstraße wandern, zumal diese kein Bestandteil des Te Araroa ist. Na dann wäre das geklärt. Also müssen wir morgen „nur“ noch 70km bis nach Geraldine hitchhiken, von wo aus einen Tag später unser Shuttle fährt. Miri und ich entscheiden uns dazu in Geraldine alles notwendige für unseren bevorstehenden Abschnitt einzukaufen. Wir können also entspannen und unsere Blogartikel fertig schreiben.

Am nächsten Tag stehen wir etwas eher auf. Heute müssen wir etwas mehr Zeit einplanen, da wir nicht wissen wie lange das Hitchhiken dauern wird. 9 Uhr 30 sind wir mit dem Packen und Frühstück fertig und bereit zum auschecken.

Leider gab es heute kein Toastbrot. Das wurde uns heute Nacht von ein paar Betrunkenen geklaut, die ohne Erlaubnis ins Hostel eingedrungen sind. Wäre es nicht das leckeres Toast gewesen, hätten wir es durchaus lustig gefunden. Der Chef des Hostels, George, hat ein sehr schlechtes Gewissen und bietet uns dafür seines an. Kiwis sind wirklich in jeder Situation hilfsbereit.

Nachdem wir mit allem fertig sind wollen wir uns nur noch schnell den Weg erklären lassen. Puh, wir müssten vier verschiedene Straßen nutzen um bis nach Geraldine zu gelangen. Der gute George bietet an uns bis zur Hauptverkehrsstraße Richtung Geraldine zu fahren. Das nenn ich mal Glück! In einem schönen Mercedes fahren wir 30 Minuten später Richtung Geraldine. An einer kleinen Kreuzung lässt uns George schließlich raus und erklärt uns in welche Richtung wir weiter müssen. Naja, mal sehen wie das wird. Wir sind zu viert (Miri, Elena, Livio und ich) und die Straße scheint nicht stark befahren zu sein. Livio und Elena lassen uns beim weiteren Hitchhiken den Vortritt und machen eine Pause im Schatten. Die ersten Autos fahren an uns vorbei und leider hält niemand an. Doch plötzlich bleibt ein weißer Jeep stehen. Ein älteres Paar und deren Tochter bietet an, uns Richtung Geraldine zu fahren. Jedoch müssten wir 20km vorher aussteigen, da sie dort stoppen möchten. Besser als nichts! Von dort aus bekommen wir sicher einen weiteren Hitch. Wir steigen ins Auto ein und von da an war alles perfekt! Ununterbrochen unterhalten wir uns mit der Familie, welche sehr interessiert ist an unserer Wanderung. Das beste kommt erst noch. Die Familie möchte uns unbedingt nach Geraldine fahren, denn sie wollen uns bei knapp 30 Grad nicht an der Straße stehen lassen. Das sind 40km Umweg, nur für uns! Wahnsinn! Wir sind jedesmal wieder begeistert davon, wie lieb und hilfsbereit Kiwis sind. 30 Minuten später sind wir also wirklich in Geraldine. Von Methven bis Geraldine haben wir nur eine Stunde und zehn Minuten gebraucht. So richtig können wir unser Glück kaum fassen. Fröhlich laufen wir Richtung Campingplatz. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben kommen bereits Livio und Elena. Sie hatten ebenfalls viel Glück. Genau zehn Meter neben uns befindet sich ein Barbecue und wir beschließen seit Ewigkeiten mal wieder zu grillen. Also mal wieder ab in den Supermarkt und einkaufen für die nächsten Tage und natürlich für heute. Miri und ich entscheiden uns dazu Burger auf dem Grill zu machen. Hmm, endlich wieder leckere Burger!

Gesagt, getan. Wir genießen die Mahlzeit so sehr und nebenbei haben wir viele lustige Gespräche mit Livio und Elena. Es ist sehr inspirierend Elena zuzuhören, da sie schon so viel in der Welt herumgereist ist und es die nächsten Jahre weiterhin so machen wird. Nach Neuseeland geht es für sie ein Jahr nach Australien und von da ein Jahr nach Schweden. Einfach genial!

Nachdem wir gegessen haben, schreiben wir seit Ewigkeiten mal wieder eine Postkarte in die Heimat. Ich bin jetzt schon gespannt darauf wie lange es wohl dauern wird bis sie ankommt.

Nachdem die drei Karten geschrieben sind, bringe ich sie noch fix zum Briefkasten.

Anschließend geht es nur noch ins Zelt. Morgen wird es wieder anstrengend. Erst zwei Stunden Fahrt und anschließend neun Stunden lang Wandern und wir werden etliche Anstiege dabei haben.

7 Uhr 15 klingelt der Wecker und wir haben ungefähr eine Stunde Zeit bis uns Wayne (vom Shuttleservice) abholt. Entspannt kann man das alles nicht nennen, aber wir sind glücklich über den Fakt nicht laufen zu müssen. Das werden wir nämlich im nächsten Monat noch mehr als genug.

Pünktlich 8 Uhr 30 kommt Wayne vorbei. Endlich kann es wieder losgehen! Das einzig verwunderliche ist der Preis. Statt 40 Dollar sind es 45 pro Person und es kommt sogar noch eine 5. Person mit. Naja, Wayne interessiert’s…

Nach einer zweistündigen Fahrt auf einer abgelegenen Schotterstraße erreichen wir endlich unser Ziel. Wayne gibt uns noch ein paar Stückchen Kuchen für den Start und schon geht es wieder in den Backcountry. Die ersten Kilometer ziehen sich extrem und wir müssen sehr oft Flüsse durchqueren. Selbst nachdem es drei Tage nicht mehr geregnet hat sind einige Stellen für uns alles andere als leicht. Miri reicht das Wasser manchmal bis zur Hüfte. Nachdem wir die letzte Durchquerung erfolgreich gemeistert haben, geht es an den ersten Anstieg für heute. Eine Stunde lang kämpfen wir uns hinauf um dann direkt wieder alles herunter zu laufen. Und natürlich geht es direkt wieder hoch. Nach zwei Stunden kommen wir an der ersten Hütte an. Sehr rustikal aber sehr schön gelegen. Schaut selbst:

Doch hier machen wir nur eine kurze Pause und essen eine Kleinigkeit. Wir möchten heute bis zur Stone Hut laufen und bis zu dieser Hütte sind es noch ungefähr fünf Stunden. Ja, das ist definitiv ein sehr langer Tag! Weiter geht es durch eine Gras- und Buschlandschaft mit malerischer Aussicht.

Doch der Weg ist beschwerlich. Immer wieder fügen uns Dornen und spitze Grasbüschel kleine Schnitte und Kratzer an den Beinen zu. Weiterhin sind viele Löcher im Boden, welche man ab und zu einfach nicht sehen kann. Somit stolpern wir etliche Male, doch zum Glück ohne zu stürzen.

Nach ein paar weiteren Fotopausen, erreichen wir gegen 19 Uhr 30 die Stone Hut. Drei Neuseeländer sitzen bereits davor und sind mit einem Fernglas auf der Suche nach Bergziegen. Sofort kommen wir ins Gespräch und wir kriegen noch dazu einen Geheimspot im Fluss gezeigt, indem wir auch gleich ein schönes Bad nehmen. Frisch „geduscht“ gibt es Abendessen und währenddessen versuche ich noch ein paar Bilder zu machen, denn die Lichtverhältnisse sind wunderschön.

Zufälligerweise kommen die drei Kiwi von unserem Lieblingsort in Neuseeland, vom Mount Maunganui. Ich liebe es mich mit Neuseeländern zu unterhalten. Die Mentalität ist einfach so gegensätzlich zur Deutschen. Es kommt nie das Gefühl auf, dass man sich mit Fremden unterhält, da auf überflüssige Höflichkeitsfloskeln verzichtet wird und die Dialoge meist ziemlich schnell tiefgründig sind.

Wir sind sehr erstaunt über den Fakt, dass Livio und Elena immernoch nicht da sind. Es sind bereits 1,5 Stunden vergangen und wir sind heute gleichzeitig losgelaufen. Naja wer weiß, vielleicht Zelten beide ein paar Kilometer vor der Hütte. 30 weitere Minuten vergehen und schließlich kommen beide doch noch. Livio erzählt mir das sie einige lange Essenspausen hatten.

Miri und ich sind extrem müde und geschafft vom Tag und gehen schlafen. Der nächste Tag wird anstrengend werden, denn es geht auf den höchsten Punkt des Te Araroa, den Stag Saddle.

Für mich ist diese Nacht erholsam, für Miri leider nicht. Die Achillessehne macht Miri immernoch zu schaffen. Mal sehen wie es heute wird. Es liegen acht Stunden vor uns. Die ersten zwei Stunden vergehen ziemlich schnell und wir kommen zur nächsten Hütte.

Ein Blick ins Hüttenbuch erfreut uns. Die Schweizer-Kiwi Familie, welche wir schon auf dem Queen-Charlotte Track getroffen haben, wird die Nacht in derselben Hütte verbringen wie wir. Das einzige Problem ist, die Hütte hat sechs Plätze und die Familie wird bereits fünf Stück einnehmen.

Doch erstmal abwarten, bis zur Camp Stream Hut sind es immerhin noch sechs Stunden.

Nach einer kurzen Pause geht es für uns Richtung Stag Saddle. Bereits jetzt ist die Aussicht nicht zu beschreiben.

Die Zeit vergeht wie im Flug und nach einer kleinen Essenspause sind wir plötzlich schon auf dem Stag Saddle. Wir sind verblüfft, da wir schneller als geplant oben sind und es nicht wirklich hart war im Vergleich zum gestrigen Tag. Einfach unbeschreiblich auf dem höchsten Punkt des Te Araroa zu stehen. Wir sind bis hier ca. 700km gewandert. Vor ein paar Jahren hätte ich es mir nie vorstellen können eine solche Unternehmung überhaupt zu beginnen. Jetzt haben wir schon mehr als die Hälfte! Sweet as!

Nach einer sehr ausgiebigen Fotopause geht es weiter. Jetzt geht es an den Abstieg. Das erste Stück ist ziemlich steil, aber nach ca. 40 Minuten ist der Weg wirklich entspannt. Wir laufen über eine Graslandschaft, welche umgeben ist von wunderschönen Bergen. Nach zwei Stunden erschrecken wir uns wahnsinnig. Genau vor uns springt ein Wallaby aus dem Gebüsch. Wie gespannt verfolgen unsere Blicke dem Wallaby bis es nicht mehr zu sehen ist . Wir sind so überrascht von dieser Begegnung, dass wir es nicht einmal geschafft haben ein Bild zu schießen. Wir wissen das es hier vereinzelt welche gibt, aber haben daran einfach nicht mehr gedacht. Einfach verrückt! Nach ein paar weiteren langen Stunden sind wir endlich an der Hütte angekommen.

Und da erwartet uns auch schon die Familie. Wir werden herzlich begrüßt und man hat das Gefühl, man würde sich schon Jahre lang kennen. Wir reden ununterbrochen. Es gibt viel zu berichten und noch mehr zu lachen. Es tut echt gut! Schließlich gibt uns die Familie ihre Nummer und lädt uns zu sich nach Auckland ein, um nach dem Te Araroa ein paar Tage bei ihnen zu verbringen. Wir sind so glücklich über diese Einladung und freuen uns schon jetzt!

Als ich Abendessen zubereite bekommt Miri eine kostenlose Fußmassage von der Mutti der aufgeweckten Kids, welche eine studierte Osteopathin ist. Manchmal muss Frau einfach Glück haben!

Nachdem das Zelt aufgebaut ist gehen wir ins Bett, denn der Tag war echt anstrengend. Ich schlafe heute jedoch allein. Es war noch ein Platz frei in der Hütte und den habe ich Miri überlassen. Sie hat immerhin Schmerzen und da ist es definitiv angenehmer in einem Bett zu übernachten. Ich bereite im Zelt alles vor um in der Nacht Sterne zu fotografieren. Es hat sogar geklappt. Ich habe die Motivation gefunden um 4 Uhr morgens Fotos zu machen.

Ich muss gestehen, dass es definitiv nicht mein bestes Bild ist, aber immerhin das erste Sternenbild auf dem Te Araroa.

Zurück im Zelt versuche ich wieder einzuschlafen. Es sind nur drei Grad heute Nacht und ich bin extrem froh einen guten Schlafsack zu haben.

7 Uhr 30 öffnet Miri schließlich die Tür zu meinem Zelt. Mich kostet es einiges an Motivation endlich aufzustehen, doch als die Sonne endlich über dem Berg ist und die ersten Strahlen auch die erste Wärme mit sich bringen, stehe ich schließlich auf. Nach einem ausgiebigen Frühstück und nachdem wir entspannt das Zelt abgebaut haben laufen wir langsam los. Bis zur nächsten Straße und somit zum Endpunkt unseres Abschnitts sind es nur drei Stunden zu Fuß. Doch das ist leider nur eine Schotterstraße und Hitchhiken wird fast unmöglich sein. Egal, erstmal loslaufen. Nach einer Stunde ist es kaum noch auszuhalten in der Sonne. Bereits um 11 Uhr sind es 32 Grad. Kein Schatten weit und breit. Doch die wunderschöne Aussicht entschädigt definitiv!

Von jetzt schlängeln wir uns entlang einer gesperrten Schotterstraße in Richtung Hauptstraße. Nach zwei weiteren Stunden ist es geschafft. Es gibt sogar ein kleines Schild, welches kostbaren Schatten spendet!

Nach 10 Minuten Erholung suche ich die Nummer des Taxiunternehmens heraus, als plötzlich ein Jeep auftaucht und bei uns hält. Der liebe Fahrer meint, er kommt in ca. 45 Minuten wieder, er muss nur schnell in die andere Richtung und etwas erledigen. Wahnsinn, schon wieder so ein Glück! Wir sind erleichtert und können uns die nächsten 45 Minuten ausruhen. Und siehe da, nach 45 Minuten taucht er wieder auf. Übrigens war es auch das einzige Auto, welches wir gesehen haben.

Nach weiteren 30 Minuten erreichen wir Tekapo.

Und natürlich führt uns der erste Weg direkt in den Supermarkt. Wir kaufen uns eine Kleinigkeit um den Hunger zu bekämpfen. Da es erst 15 Uhr ist entscheiden wir uns dafür bis nach Twizel zu hitchhiken. Das sind weitere 60km und von dort möchten wir in drei Tagen auch wieder aufbrechen. Miri und ich stehen keine 10 Minuten an der Straße, als uns eine freundliche Dame aus Alaska mitnimmt. Einzige Bedingung: wir müssen mit ihr zusammen zu einem See fahren und Baden gehen. Genial! Besser kann man es nicht haben, wir werden mitgenommen und noch dazu zu einem wunderschönen Strand gefahren! Gegen 17 Uhr sind wir schließlich in Twizel angekommen und jetzt gehen wir nur noch zum Campingplatz. Nachdem das Zelt steht, machen machen wir uns ein paar Toast und genießen einfach den Tag.

Genau neben uns befinden sich zwei Ungarn im Zelt, die wir ebenfalls schon öfter getroffen haben. Daniel hatte im letzten Ort seinen kleinen Topf vergessen und ich habe ihn die ganze Zeit mit mir getragen. Immerhin bekomme ich als Gegenleistung ein Bier und eine seine sehr angenehme und lustige Gesellschaft. Die beiden sind echt vergesslich und haben bereits alles mögliche in Hütten liegen gelassen.

Schließlich gehen Miri und ich schlafen, denn wir sind echt erschöpft. Die Hitze des heutigen Tages hat uns uns einfach fertig gemacht. Ab morgen heißt es dann zwei Tage entspannen bevor es weitergeht. Laut Trailnotes liegen sieben Tage Backcountry vor uns bevor wir Wanaka erreichen werden. Ich freue mich jetzt schon darauf! Während ich noch in Gedanken die nächsten Tage durchgehe schläft Miri schon friedlich neben mir.

Ich habe heute extrem Probleme damit einzuschlafen und wache immer wieder auf. Miri geht es ähnlich.

Somit startet der nächste Tag alles andere als erholsam. Wir fühlen uns beide nicht fit und erst recht nicht ausgeschlafen.

Der Supermarkt ist zum Glück nicht weit und unsere Motivation reicht immerhin dazu Frühstück zu besorgen. Nach dem Frühstück machen wir endlich mal wieder eine Waschmaschine. Das ist auch dringend notwendig!

Den Rest des Tages verbringen wir damit nicht an einem Hitzschlag zu sterben. Wir führen noch echt witzige Konversationen mit unseren lustigen Zeltnachbarn und mehr Spannung können wir euch heute nicht bieten. Zumindest tagsüber. Mitten in der Nacht werde ich durch mehrere Schreie geweckt. Miri ist diejenige die schreit. Panisch drehe ich mich zu ihr um. Ich habe Angst, dass ein Possum im Vorzelt ist und Miri hat dieselbe Angst. Ihre Schreie sollten dazu dienen das Tier zu verscheuchen. Ich geh schließlich aus dem Zelt um nachzusehen. Und siehe da, ein Igel hat sich an unserer Mülltüte vergriffen. Ohne lang zu überlegen nehme ich den Igel auf die Hand und bringe ihn ans andere Ende des Campingplatzes. Zurück im Zelt lachen wir noch gefühlte Ewigkeiten bevor wir einschlafen. Doch bis auf den kleinen Zwischenfall ist die Nacht für uns beide erholsam.

Ausschlafen schaffen wir irgendwie nie. Spätestens 7 Uhr 30 ist einer von uns beiden munter. Miri telefoniert bereits mit ihrem Papa, welcher heute Geburtstag hat und 20+ geworden ist. Ganz liebe Grüße an dieser Stelle!

Heute wird es ein bisschen stressiger, aber endlich sind wir wieder fit. Den Einkauf für den nächsten Abschnitt erledigen wir spielerisch. Endlich kommen wir dazu unsere Blogartikel zu schreiben und dazu Bilder zu sortieren. Während wir Mittag essen beginnen wir ein Gespräch mit einem älteren Ehepaar. Beide wollen in ein paar Monaten am Cape Reinga starten und mit dem Fahrrad bis nach Bluff fahren. Zielsetzung: 30 Tage. Das ist verrückt, aber echt genial. Beide erzählen uns von sehr vielen Touren durch Europa, Afrika und Südamerika. Wir sind begeistert und neidisch zugleich.

Nach unserem Gespräch widmen wir uns wieder unseren Blogartikeln und der nächsten Etappe. Morgen geht es Richtung Wanaka. Sieben Tage wird es dauern und wir freuen uns endlich wieder aufzubrechen.

Bis bald liebe Freunde!

Never stop exploring!

Miri und Micha


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