Te Araroa Diaries Teil 1

Die ersten zwei Tage auf dem Trail

Die letzten zwei Wochen haben wir auf einer Farm bei Kevin, Jane und deren Tochter Mariana gewohnt. Wir haben unsere Trailplanung vervollständigt, waren surfen und reiten, haben leckeres selbstgemachtes „organic food“ genossen und natürlich nebenbei auf der Farm geholfen.

Reiten Neuseeland

Jetzt geht es los…

Es ist kurz vor 6. Als ich aufwache fühle ich mich wie nach einer durchgemachten Nacht. Kennt ihr das Gefühl so müde zu sein, das es selbst zu anstrengend ist die Augen aufzumachen? Mir geht es jedenfalls so, deshalb bleibe ich noch einen Moment liegen und höre Sarah dabei zu, wie sie bereits durch das Zimmer wuselt um ihren Rucksack zu packen. Ich bekomme das ungute Gefühl, dass es auch für Micha und mich Zeit ist aufzustehen. Er wird also mehr oder minder liebevoll geweckt (er besteht ja auf das weniger liebevoll 😀 ) und die erwartete Beschwerde kommt auch direkt. Das Hauptproblem ist nämlich, dass wir nur zwei Betten im Zimmer haben. Eins für Sarah und eins für Micha und mich. Der Umstand an sich wäre aber kein Problem für Micha gewesen, wäre da nicht die Tatsache, dass ich in der letzten Nacht bis kurz nach zwölf den Blogartikel über die Packliste bearbeitet habe. Ich brauche, glaube ich, jetzt nicht erwähnen, dass Michas Schlaf dabei nicht unbeschadet davongekommen ist. 😀

Nichts desto trotz:

7:20 fährt unser Bus vom Bayfair InterCity Stop. Dann dürfen wir uns auf neuneinhalb wunderschöne Stunden Busfahrt freuen.

Wir stehen also auf, stopfen unsere letzten Sachen in den Rucksack und geben unseren Laptop noch schnell bei Mariana ab. Wir vermissen ihn jetzt schon. Sie natürlich auch 😀 !

Als wir fertig sind haben wir weder Jane noch Kevin auf den Beinen gesehen, und dass obwohl sie uns bereits in 10 Minuten zur Bushaltestelle fahren müssen. Micha bekommt Angst, dass sie verschlafen, schnappt sich seine Schuhe und hirscht um das Haus herum. Ohne Erfolg, denn keiner ist zu sehen. Ein kurzes anklingeln des Handys klärt das Problem aber schnell wieder. Plötzlich steht eine verschlafene Jane vor uns und erklärt uns, dass Kevin heute draußen im Camp bei den Kids geschlafen hat.

Nach einem kurzen Abschied von Jane sitzen wir schon in Kevins Jeep auf dem Expressway Richtung Citycenter. Und mehr „kiwi“ könnte dieser Moment auch gar nicht mehr werden, er fährt nämlich auch noch barfuß!

In Bayfair angekommen rennen Sarah und ich noch schnell los um uns etwas zu essen zu holen und schon sitzen wir im Bus. Die Bay of Plenty, der Tongariro Nationalpark und tausende von Schafen rauschen vorbei.

Was dann passiert ist kann ich gar nicht mehr genau sagen. Die kurze Nacht hat ihren Teil dazu beigetragen, dass wir schneller als wir gewollt hätten von der Müdigkeit der letzten Tage überrannt wurden und nun im Zombimodus auf unseren Sitzen unruhig hin und her rollen. Die Tatsache, dass wir einige Stunden später in Wellington aus dem Bus aussteigen und auf die Interislander Fähre wechseln ändert an der Tatsache auch nicht viel. Sarah nutzt die Gelegenheit, und wir hatten später viel zu lachen als wir die Fotos von uns schlafenden Monstern sahen.

Fähre Te Araroa Neuseeland

Als ich durch eine Ansage der Crew schlagartig aus meiner Tiefschlafphase aufgeweckt werde, wünsche ich mir nur für diesen Moment nochmal Kind zu sein. Neben uns sitzen nämlich zwei kleine Kinder die ungestört weiterschlafen während der Vater damit zu tun hat beiden Schuhe und Jacke anzuziehen und vom Schiff zu tragen. Keines der beiden hat auch nur ein Auge aufgemacht.

Da wir aber nunmal alle erwachsen sind schlendern wir schlaftrunken von Bord des Interislanders, holen unsere Rucksäcke an der Gepäckausgabe ab und begeben uns auf die Suche nach unserem Hostel. Es ist bereits kurz vor zwölf und es ist immer noch richtig warm. Ich habe vor einigen Tagen irgendein Hostel in Picton gebucht, das „Alicante“. Genommen haben wir es eigentlich nur aufgrund des guten Preises und der Bewertungen. Mal sehen was da also kommt!

Wenige Minuten später stehen wir vor einer Glastür und schauen in das leicht beleuchtete Innere dieses Hostels. Man sieht traditionell spanische Einrichtung, Tierstaturen, verschiedene Teppiche. Jedenfalls stellt man sich ein Hostel anders vor. Als wir klingeln kommt ein älterer Herr, der sich noch schnell ein Unterhemd aus der Waschmaschine nimmt und überzieht. Was dann passiert ist hat aber alle Erwartungen übertroffen. 10 Minuten später befinden wir uns in einem eigenen 3 Betten Zimmer (gebucht hatten wir einen 5er Schlafdorm) und freuen uns auf das am nächsten Morgen für uns bereitstehende Frühstück. Das alles für die 30 Dollar p.P für welche wir den Schlafsaal gebucht hatten. 😀

Am nächsten Morgen genießen wir also noch ein kurzes Frühstück, bestehend aus Toast, Muffin und Crossaint und ziehen los. Die nächste Station ist nämlich die i-Site. Wir brauchen Fährtickets und Pässe für den Queen Charlotte Track, den ersten fünftägigen Abschnitt unseres Trails. Als das auch erledigt ist fehlt uns nur noch eines: Essen. Das wichtigste.

Dann ist endlich alles erledigt und wir machen es uns am Hafen gemütlich für ein Picknik. Viel Auswahl gibt es zwar nicht, aber das Flair stimmt.

Picton Te Araroa Fernwanderung Neuseeland

Wir sind alle ziemlich glücklich, dass endlich alles erledigt ist und freuen uns, dass es nun bald so richtig losgeht. Die letzten Wochen waren von der Planung durchzogen und obwohl ich Kevin, Jane und die Farm jetzt schon so sehr vermisse bin ich froh, dass wir heute die ersten Kilometer des Trails schaffen werden. Ehrlich gesagt habe ich aber immer noch nicht realisiert was wir uns da ganz leichtfüßig vorgenommen haben: 1400km laufen. Zweieinhalb Monate nichts anderes tun. Ernsthaft? Michas und meine bisher längste Wanderung war kaum länger als ein „overnight trip“. 😀

Egal. Wir schaffen das schon. Wir liegen auf der Wiese und ruhen uns noch ein bisschen aus. Zumindest Micha und Sarah. Ich wusele schon wieder rum und komme nicht zur Ruhe.

Auf zur Shipcove Bay

Kurze Zeit später sitzen wir auf dem Deck des Tourenbootes welches uns in der Shipcove Bay absetzen wird. Dann geht es los – also so richtig los.

Bis dahin ist aber noch jede Menge Zeit und wir sehen Delfine, sonnen uns und genießen die Fahrt. Der Capitän nutzt derweil die Gelegenheit und bringt den Menschen im Queen Charlotte Sound das ein oder andere Paket, die Häuser sind nämlich nur per Boot zu erreichen.

Dann sind wir da und als wir im der Bucht stehen sehen wir, was uns da jetzt gleich erwartet. Es geht nämlich direkt erstmal steil hinauf.

Mit uns steigen noch zwei weitere Wanderer aus, deren Rucksäcke ungefähr halb so groß sind wie unsere. Es stellt sich heraus, dass beide auch Te Araroa Thruhiker sind mit dem Unterschied, dass sie schon etwas länger unterwegs sind. Mit ihren leichten Rucksäcken sprinten die beiden den Berg hinauf und weg sind sie. Und wir schnaufen mühselig hinterher. Schon nach wenigen Minuten ist mein Kopf feuerrot, ich schwitze am ganzen Körper, keuche vor mich hin und muss alle paar Meter stehen bleiben. Sofort fällt mir ein Satz von Mc Kenzie aus dem Te Araroa Film ein. „Every ounce counts“, meinte sie. Und bei unseren Rucksäcken gibt es offensichtlich zu viele Unzen die wir nicht gezählt haben. ?

Camping Te Araroa Neuseeland Angekommen sind wir dann aber schließlich trotzdem, auch wenn mein Kopf die Frage nach dem „Wie soll das den weitergehen?“ gut verdrängt hat. Heute haben wir die vier Kilometer bis zur Campsite ganz gut geschafft, morgen folgt direkt eine zwanzig Kilometer Monsteretappe!

Aber um sich darüber Gedanken zu machen ist es hier einfach viel zu schön. Mitten im Urwald umgeben, von tropisch klingendem Vogelgezwitscher befindet sich eine winzige Bucht mit türkisblauem Wasser. Micha und ich überlegen nicht lange und springen direkt ins Wasser.

Die erste Nacht auf dem Te Araroa Trail

Es ist einfach zu schön um es fassen zu können. Wir bauen also schnell unsere Zelte auf, machen uns Essen und schauen der Sonne beim untergehen zu. Kurz bevor sie hinter den Bergen der Sounds verschwunden ist haben wir in einiger Entfernung Delfinen beim Spielen zugeschaut. Ganz besonders erwähnenswert ist aber hier übrigens das „longdrop“. Das wurde nämlich so aufgestellt, dass man während man auf dem Klo sitzt einen wunderschönen Blick auf den Sound hat. Wir haben uns direkt dafür entschieden, uns gegenseitig die Tür offenzuhalten, sowas sollte man sich ja nicht entgehen lassen.

Zelten Te Araroa Wandern Neuseeland Achja und eins noch. Die Wekas haben es gleich am ersten Tag geschafft uns Essen aus dem am Boden liegenden Rucksack zu klauen. Dank Michas blitzschneller Reaktion haben wir aber alles wieder zurück erkämpfen können.

Weka Te Araroa Fernwanderung Neuseeland Inzwischen liegen wir auf einer Wiese weit über der Bay of many Coves wo wir unsere dritte Nacht verbringen werden.

Während ich den Blogartikel der letzten Tage hochlade, habe ich einen wunderschönen Ausblick auf die Ausläufer des Queen Charlotte Sounds. Wenn ihr wissen wollt was in der Zwischenzeit passiert ist, müsst ihr euch aber noch ein paar Tage gedulden, meine Wäsche muss nämlich auch noch gewaschen werden. ?

Hier geht es zum zweiten Teil unseres Abenteuers!

Rucksäcke Te Araroa Fernwanderweg
Unsere Packliste für den Te Araroa
Te Araroa Diaries Teil 2

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